Trennungsschmerz!

Draußen scheint die Mittagsonne, Vögel zwitschern, die kleine Tochter der Nachbarin tapst lachend durch den Garten. Es ist eigentlich ein schöner Tag. Doch nicht für uns zwei. Für uns zwei ist er die Hölle! Denn während die Welt vor meinem Fenster auf fast hämische Weise den Frühling zelebriert, wissen wir: unsere gemeinsame Zeit ist vorbei. Noch ein paar ausgelassene Stunden, dann werden sich unsere Wege trennen. Für immer.

Nach allem was wir gemeinsam durchlebt haben, kann ich noch immer nicht glauben, dass ich mein Leben bald ohne Dich bestreiten werde. Du hast zugesehen, als ich zum ersten Mal unbeholfen eine Frau geküsst habe. Du warst bei meiner ersten und einzigen Schlägerei an meiner Seite und hast mich tapfer unterstützt. Wir sind gemeinsam nach der gewagten Kletteraktion vom Balkon gestürzt und als ich das Auto meiner Mutter gegen den Garagenpfeiler gesetzt habe, warst Du für mich da.

Im Grunde ist es ja meine Schuld! Wenn ich mich intensiver um Dich gekümmert hätte, Dir und Deinem Leiden mehr Beachtung geschenkt hätte, wäre es vielleicht nie soweit gekommen. Aber auch Du hättest es verhindern können! Hättest Du mich nur rechtzeitig auf Deine Not hingewiesen, hättest Du mir gleich signalisiert, wie es um Dich steht, hätten wir gemeinsam eine Lösung finden können. Aber alles "hätte", "wenn" und "aber" ist nun bedeutungslos geworden, jetzt wo alle Hoffnung verloren ist und die schöne Zeit ein abruptes Ende gefunden hat.

Ich weiß, Du wirfst mir vor, ich sei oberflächlich geworden. Du sagst, dass Du Dir niemals erträumt hättest, dass ich Dich einfach irgendwann fallen lassen, nur weil Du unbequem geworden bist. Ich weiß, dass es jetzt nicht mehr viel bedeutet, aber es tut mir leid. Ehrlich! Glaub mir, wenn der Tag gekommen ist, werde ich den Trennungsschmerz nur mit Betäubungsmitteln ertragen.

Ich hoffe, dass wir unsere letzten gemeinsamen Tage trotz allem ohne Bitterkeit genießen können. Wenn Du aufhörst so zickig zu sein, werde ich Dir mit der ehrlichen Zuneigung begegnen, nach der Du Dich so sehnst! Und die Du verdienst. Doch selbst wenn Du mir die Zeit bis zur Trennung zur Hölle machst, kann ich Dir versichern:

Du wirst auf ewig einen Platz in meinem Herzen haben, mein geliebter Weisheitszahn!

1 Kommentar 27.4.07 12:33, kommentieren

Heimatkunde dank Selbstmord!

Es gibt unzählige Methoden sich das Leben zu nehmen. Man kann von Hochhäusern springen. Man kann einen Strick nehmen. Man kann Medikamente schlucken. Man kann durch Heppenheim fahren und blind darauf vertrauen, dass sich die Leute dort an gängige Vorfahrtsregeln halten. Oder man kann einem Großsachsener erzählen, dass der andere Ortsteil von Hirschberg eigentlich der schönere ist! Aber warum sollte man solch egoistische Wege beschreiten, wenn man genauso gut auch etwas für seine Mitmenschen tun kann?

... indem man sich zum Beispiel vor einen Zug schmeißt!

 Ich fahre jetzt beinah täglich die selbe Bahnstrecke, von Weinheim nach Darmstadt und wieder zurück. Zwischen Weinheim und Darmstadt liegen viele lustige Orte mit noch lustigeren Namen, doch irgendwann hat man sich einfach daran satt gesehen. Spätestens wenn man von Auerbach bis Zwingenberg alle Dörfchen im Schlaf aufsagen kann, entsteht auf der Fahrt ein gewisses Maß an Langweile. Nach einer Zeit ist man dann für jede Abwechslung dankbar. Zum Glück gibt es ein paar sozial veranlagte Märtyrer, die eben solche Abwechslung ermöglichen.

 Diese beginnt dann schon damit, dass man den Bahnhof betritt und - statt der normalen, elendig langweiligen "Zug kommt 5 Minuten später" Hinweise - auf den Schalttafeln spannende, frische und aufregende "Zug fällt aus" Schildchen lesen kann. Natürlich vor allem bei den Zügen, mit denen man eigentlich fahren wollte. Während man dann überlegt, wie man mit dem plötzlichen Abwechslungs-Flash umgehen soll, kann man sich auch schon mal das Wort "Streckenvollsperrung" auf der Zunge zergehen lassen und sich darauf freuen, dass ein unglaublich langweiliger Nachmittag auf dem heimischen Balkon durch einen kurzweiligen, abenteuerreichen Nachmittag in der Gesellschaft von unzähligen, interessanten Fremden substituiert wird. Da schlägt das Herz vor Freude doch gleich viel schneller!

 Zwar fahren irgendwann (nach 60 Minuten!) die ersten Züge wieder, doch die deutsche Bahn wäre nicht die deutsche Bahn, wenn sie einen solch gelungenen Nachmittag nicht noch aufwerten könnte! Zum Beispiel in dem sie spontan entscheidet, die Züge nicht mehr dorthin fahren zu lassen, wo sie fahrplanmäßig eigentlich hinfahren sollten! Zum Beispiel statt nach Heidelberg, nach Mannheim. Aber nicht über die übliche Route - denn das würde ja dem Tagesmotto widersprechen - sondern über eine innovativere. Zum Beispiel über Langen. Und Klein Gerau. Und Bobstadt. Und Biblis! Und Lambertheim. Das ist dann ungefähr so, als wollte man von Süddeutschland in die Schweiz fahren, dabei aber einen unwesentlichen Umweg über die Niederlande, Frankreich, Spanien, die Kanaren und Italien machen, anstatt die spießige Direktroute zu wählen. Doch weil das immer noch nicht spaßig genug ist, würzt die Bahn das Geschehen dann auch noch mit einem Hauch von Ungewissheit und lässt Züge schon mal etliche Minuten irgendwo in der Pampa stehen, ohne den entnervt ... euphorischen Fahrgästen mitzuteilen, wann die Fahrt weitergeht oder zumindest warum der Zug schon wieder steht. Schließlich würden konkrete Informationen die Reisenden auch nur irritieren und sie von den herrlichen Eindrücken der zuvor noch nie gesehenen Landschaft ablenken.

 Leider war der Spaß nach knapp 3 Stunden dann auch wieder vorbei und ich wurde zurück in mein langweiliges Leben entlassen. Geblieben ist das ergreifende Gefühl, an einem einmaligen Ereignis teilgehabt zu haben.  Statt dem üblichen Trott sind unverhofft so viele neue Eindrücke auf mich hereingeprasselt, dass ich kam imstande bin schon jetzt alles Erlebte zu verarbeiten. Denn erst dieser Tag hat mir die Augen geöffnet und mir die Gewissheit geschenkt, dass es ein Kaff (Dorf/Stadt/Metropole?!?) namens Bobstadt gibt, dass dieses Kaff (Dorf/Stadt/Metropole?!?) im Landkreis Ried liegt und dass es einen potthässlichen Bahnhof hat. Wenn ich mir vorstelle, dass ich die Zeit, in der ich diese Odyssee erleben durfte, unter anderen Umständen mit einem spannungsfreien Buch auf unserem langweiligen Balkon verschwendet hätte und am Ende konservativ entspannt gewesen wäre, könnte ich heulen. Vor Glück, versteht sich!

 Daher bleibt mir nichts weiter als Dir herzlich zu danken, namenloser Märtyrer! Leider ist meine Seele sensibel und nicht dafür gemacht einen solchen Hochgenuss in naher Zukunft erneut zu durchleben. Ein ähnlich spannender Tag würde mich emotional ziemlich aus der Bahn werfen. An den nächsten Märtyrer daher mein Wunsch: Fahr' doch bitte nach Heppenheim!

19.4.07 23:05, kommentieren

Vom Umgang mit sozialem Gewissen ...

Die Kindheit ist eine traumhafte Zeit! Denn solange Mädchen noch doof sind und man sich keine großen Gedanken über die Umwelt macht, ist das Leben so herrlich einfach und leicht. Doch irgendwann erwacht man aus seiner schönen kleinen Welt und die Dinge beginnen kompliziert zu werden. Bei mir nahm das Übel zu Beginn der Pubertät seinen Lauf ...

Plötzlich habe ich nämlich damit begonnen, mich für das Elend anderer zu interessieren. Da es auf der Welt bekanntermaßen sehr viel Elend gibt und man als Jugendlicher natürlich nicht alles auf einmal erfassen kann, habe ich meinen Fokus auf eine gewisse Nische gelenkt:

Arme Frauen, die sich keine Kleider leisten können!

Um das Leid dieser Frauen in all seinen furchtbaren Facetten begreifen zu können, musste natürlich einiges an Anschauungsmaterial beschafft werden, vor allem in Form von Zeitschriften mit glänzenden Seiten und vielen großen Bildern. Doch irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem man das Elend auch ohne entsprechendes Material begreift und die entsprechenden Zeitschriften zu unangenehmen Ballast werden. Was zuvor noch irre spannend war, entwickelt sich plötzlich zu einem peinlichen Ärgernis, das in immer dunklere Ecken des Zimmers wandert, damit es ja nicht von irgendwelchen Besuchern entdeckt werden kann.

Wegschmeißen ist natürlich eine naheliegende Option. Doch das ist gar nicht so leicht! Denn die große Frage ist, wie entsorgt man so etwas? Klar, in der Theorie ist es kein Problem: Papierkorb auf, belastendes Material rein, Thema erledigt. Aber in der Theorie kommt es auch nicht darauf an, dass niemand in einem Mehrpersonenhaushalt und einer wachsamen Nachbarschaft mitbekommt, was man da so im Papierkorb verschwinden lässt! Und somit wird die Entsorgung plötzlich komplizierter als jeder Kastortransport. Klar, ich rechne nicht damit, dass sich eine Horde Feministinnen an der Haustreppe fest kettet, um die Endlagerung der heißen Ware zu verhindern, aber eine neugierige Nachbarin zur falschen Zeit am Mülleimer reicht ja vollkommen aus, um eine sehr peinliche Situation entstehen zu lassen.

Schließlich habe ich das Zeug in einer Nacht- und Nebelaktion entsorgt. Wahrscheinlich bin ich der einzige Mensch, der mitten in der Nacht Dinge in den Mülleimer vor dem Haus wirft und anschließend mit stapelweise alten Zeitungen verdeckt. Einen Moment war ich ja sogar versucht, den Kram in der Mühltonne eines Nachbarn zu versenken. Aber bei meinem Glück wäre ich dabei wahrscheinlich auch zum einzigen Menschen geworden, den die Polizei dabei erwischt hat, wie er in die Mülltonne seines Nachbarn einbricht, weil er zu verklemmt ist, seine nichtjugendfreien Magazine bei sich zuhause zu entsorgen.

Damit sich solche Scherereien nicht wiederholen, habe ich beschlossen meinem sozialen Gewissen zukünftig in Form dieses Blogs Ausdruck zu verleihen und an dieser Stelle auf all die furchtbaren Missstände des Alltags hinzuweisen. Zumindest solange sie nicht mit armen Frauen zusammenhängen. Und mich nicht langweilen. Und nicht zu anspruchsvoll sind. Und nicht spießig klingen. Und keine Randgruppen betreffen, über die ich selbst gerne lästere ...

Nagut, neben meinem sozialen Gewissen gibt es noch einen Grund, warum ich das hier schreibe. Man hat mich mit sauren Pfirsisch-Herzen bestochen. Die ich übrigens noch nicht bekommen habe...!

 

 

 

1 Kommentar 13.4.07 22:14, kommentieren


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