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Zwischen den Zeilen!

Es gibt Sätze, die sollten einem einfach zu denken geben. Meistens kommen diese Sätze ganz harmlos daher und klingen vielleicht sogar hoffnungsvoll! In Wirklichkeit sind sie aber die einzige Warnung vor einer unausweichlichen Katastrophe! Doch leider erkennen wir das erst, wenn es längst zu spät ist.

"Die Wegbeschreibung ist scheiße, fahr' mal da vorne gleich links, das geht viel schneller!" ist zum Beispiel ein solcher Satz. Denn was nach einer Abkürzung klingt, bedeutet eigentlich folgendes: "Wenn Du gleich links fährst, kommst Du in ein Gebiet voller Einbahnstraßen, in die Du alle nicht reinfahren darfst, weil Du aus der falschen Richtung kommst. Sorry, als ich das letzte Mal hier durchgefahren bin, war das irgendwie noch anders geregelt. Aber es ist ja auch nicht schlimm, wenn wir ne halbe Stunde zu spät kommen. Und ne Stadtrundfahrt durch Feudenheim ist ja auch nicht das Schlechteste! Ach übrigens, sooo scheiße war die Wegbeschreibung gar nicht, wenn ich darüber nachdenke." Eigentlich hätte ich aus dieser Situation lernen sollen ...

Von wegen! Deshalb fand ich "Sie brauchen x und y für die Klausur nicht vorzubereiten, das bringe ich sowieso nicht dran." auch sehr freundlich. Zumindest bis mir dann in der Klausur klar geworden ist, dass sich dahinter eigentlich etwas anderes verbirgt. "Sie brauchen x und y nicht extra für die Klausur zu lernen! Wenn Sie das nicht sowieso schon gekonnt haben, sind sie an der Uni sowieso falsch. Aber machen sie sich keine Gedanken darüber, denn dann geht es Ihnen so wie etwa 80% ihrer Kommilitonen auch. Allerdings sollten Sie ihren weiteren Lebensweg nun schnell planen. Der McDonalds am Bahnhof hat nämlich nicht genügend freie Stellen, als das 400 junge Menschen dort unterkommen könnten, die einfach zu dumm zum Studieren sind!" Spätestens nach dieser Erfahrung, hätte es klick machen sollen ...

Doch leider hat es das nicht. Deshalb habe ich mir auch nichts böses gedacht, als mir der Zahnarzt gestern folgendes gesagt hat: "So, das war's für heute. Ich wünsche Ihnen ein schönes und schmerzfreies Wochenende." Doch heute weiß ich nun, dass das folgendes heißt: "In Ihrer Haut will ich nicht stecken. Es wäre wahrscheinlich eine gute Idee, die Aspirinvorräte der lokalen Apotheken leer zu kaufen. Aber seien Sie nicht zu hoffnungsvoll, viel wird das nämlich auch nichts nützen. Am Ende wird zwar Ihr Magen streiken, doch der Zahn wird immer noch höllisch wehtun! Legen sie sich am besten einfach ins Bett, machen den Rollladen zu und vermeiden alle schmerzhaften Aktivitäten. Wie z.B. Atmen. Vielleicht denken Sie einfach an was schönes. Zum Beispiel an die Zyste, die wir heute auf Ihrem Röntgenbild entdeckt haben! Aber so groß ist die ja eigentlich auch gar nicht, vielleicht muss die ja gar nicht entfernt werden."

Meinem Zahn geht es heute nicht wirklich besser und ich weiß mal wieder, warum ich Zahnärzte nicht mag. Aber wenigstens habe ich diesmal dazugelernt. "Vielleicht muss die gar nicht entfernt werden." heißt definitiv nicht das, was ich hoffe ...

1 Kommentar 5.5.07 12:49, kommentieren

Rückständig aus Tierliebe

Im Grunde genommen ist Großsachsen wie ein iPod: Modern, stytlisch und beliebt. Nein, ich gebe zu, der Vergleich ist nicht ganz treffend. Eigentlich ist Großsachsen wie ein iPod, den man in die Hülle eines alten Nokia 3210 gepresst hat: auf den ersten Blick langweilig, bieder, abgegriffen und altmodisch, aber im Kern doch irgendwie modern, stylisch und beliebt. Okay, auch dieser Vergleich hinkt ein bisschen, aber ich denke es wird klar, was ich sagen möchte.

Großsachsen ist eigentlich toller, als es aussieht!

Die Frage lautet nun, warum Großsachsen aussieht wie ein Nokia 3210, wenn es doch eigentlich ein iPod ist. Die Antwort ist denkbar einfach: Aus Gründen des Naturschutzes! Gut, vielleicht klingt das im ersten Moment etwas absurd, deshalb werde ich es kurz erläutern. Durch eine FORSA-Umfrage wurde ermittelt, dass Großsachsen vor allem wegen den oberirdischen Stromleitungen altmodisch und bieder erscheint. Um das Image vom Nokia 3210 in Richtung des iPods zu verändern, hätte es also nur einer unmaßgeblichen Umgestaltung des Dorfes bedurft. Doch gerade die ist aus umweltpolitischen Gründen unvertretbar.

Denn während die Bundesregierung uns Bürgern mit unzähligen Debatten um Umweltschutz und Klimawandel Flugreisen vermiest, sind Langstreckenflüge im Tierreich noch nichts verwerfliches. Winter für Winter fliegen Zugvögel gen Süden, um Sommer für Sommer wieder zurückzukehren. Gerade für kleine Vögel ist die weite Strecke in den verdienten Winterurlaub jedoch mit unzähligen Strapazen verbunden, was regelmäßiges Rasten unerlässlich macht. Da jedoch immer mehr Gemeinden dem Innovationswahn verfallen und überirdische Stromleitungen gegen ein unterirdisches Versorgungsnetz ersetzt, gibt es Deutschlandweit immer weniger geeignete Rastplätze für diese bedauernswerten Pauschaltouristen.

Großsachsens Gemeinderäte haben ein Herz für geplagte Zugvögel und den geplanten Abbau der Oberleitungen daher gestoppt. Seither ist Großsachsen Dreh- und Angelpunkt für den Vogelflugverkehr Süddeutschlands! Mittlerweile ist sogar ein Ausbau der bestehenden Oberleitungen geplant, um dem wachsenden Flugverkehr Herr zu werden, allerdings beschweren sich bereits jetzt erste Anwohner über einen frappierenden Anstieg des Fluglärms ...

Großsachsen wird das Image des Nokia 3210 auf diese Weise wahrscheinlich nie ganz abschütteln können, doch die Anwohner sind stolz darauf, dass sich die Dorfoberhäupter aus Tierliebe nicht auf oberflächliche Modernisierungsabenteuer eingelassen haben. Und im Herzen wird Großsachsen sowieso immer ein iPod bleiben. Auch wenn der Vergleich vielleicht wirklich ein bisschen hinkt ...

1 Kommentar 8.5.07 17:41, kommentieren

Bockenrod und die finsteren Pläne der Wirtschaftsbosse

Bockenrod ist ein Ortsteil von Reichelsheim und mit 172 Einwohnern nicht gerade groß. Wem es nach aufregendem Nachtleben auf kilometerlangen Partymeilen gelüstet, ist dort demnach an der falschen Adresse. Das heißt aber keinesfalls, dass Bockenrod nicht doch eine Reise wert ist. Ganz im Gegenteil, es gibt sogar eine Menge Gründe, warum man dort unbedingt vorbeischauen sollte! Abgesehen von schöner Landschaft und himmlischer Ruhe gibt es dort nämlich unglaublich nette Menschen, die das vielleicht beste Tiramisù nördlich der italienischen Staatsgrenze zaubern können.

Doch leider macht das Böse in der Welt auch keinen Halt vor idyllischen Dörfchen, netten Menschen und himmlischem Tiramisù. Denn Bockenrod ist unlängst ins Fadenkreuz von profitgeilen, skrupellosen Wirtschaftsbossen gerückt. Es gibt Industriezweige, die im Sommer so viel Gewinn ausschütten, wie ein Daunenjackenverkäufer in der Sahara. Die Wintersportindustrie ist zum Beispiel ein solcher Industriezweig. Oder die Spekulatiusindustrie. Doch wo man sich in diesen Branchen mit einem Umsatztief im Sommer einfach abgefunden hat, schmieden die Obersten einer anderen Branche finstere Pläne, um es mit schäbigen Tricks zu bekämpfen. Bei dieser Branche handelt es sich um den zunächst eher unverdächtig wirkenden Industriezweig der Taschentuchproduktion. Während dort im Winter dank Grippewellen und Dauerschnupfen das Geld nur so fließt, blieben die Kassen im Sommer bedingt durch gutes Wetter und unverwüstliche Gesundheit eigentlich leer. Doch die Wirtschaftsbosse haben in Zusammenarbeit mit der Pharmaindustrie ein infernalisches Werkzeug erschaffen, um diesen Missstand zu korrigieren: den Heuschnupfen! Getarnt als harmlose Pollen werden Sommer für Sommer weltweit massenhaft Reizstoffe verbreitet, um Immunsysteme ins Straucheln zu bringen und Nasen laufen zu lassen. So fließt deren Inhalt kiloweise in frisch produzierte Taschentücher, wodurch wiederum kiloweise Geld in die Taschen der Industriebosse fließt.

Was aber hat dieses schäbige Vorgehen mit einer beschaulichen Gemeinde wie Bockenrod zu tun? Nun, das ist einfach erklärt. Eine gewisse Autarkie von jegweder Zivilisation hat die Bockenroter über den Wandel der Generationen hinweg widerstandsfähig und äußerst zäh werden lassen. Damit die von der Taschentuchindustrie gestreuten Reizstoffe auf die Anwohner überhaupt einen Effekt haben, werden sie dort mit einer deutlich erhöhten Konzentration gestreut. Tatsächlich fliegen dort sogar so viele dieser Stoffe in der Luft herum, dass es fast so aussieht als würde es schneien (womit Bockenrod  - mit Ausnahme des Bundestages - der einzige Ort Deutschlands ist, an dem man von Klima unabhängig Schnee finden kann!). Doch während die Einheimischen selbst dieses Maß relativ beschwerdefrei ertragen können, muss man sich als Auswärtiger auf heftigste allergische Reaktionen einstellen.

Wer also die Gegenwart von liebenswerten Menschen, das möglicherweise beste Tiramisù außerhalb Venetiens und malerische Landschaften genießen möchte, muss daher ein erhebliches Maß an Leidtoleranz mitbringen. Und eben Taschentücher. Abhilfe kann da leider nur ein kompromiss- und schonungslos geführter Kampf gegen die Machenschaften der Taschentuchindustrie schaffen! Vielleicht lassen sich besonders nette Bockenroter bis zu dessen Ende aber auch dazu überreden, uns verweichlichte Städter ab und an auch wieder bei uns zu Hause mit ihrer Gegenwart zu beehren. Und die malerischen Landschaften findet man ja schließlich auch bei uns ...

 

1 Kommentar 19.5.07 20:56, kommentieren

Die Bahn kommt ... teilweise.

Wer öfter mal mit der Deutschen Bahn fährt, wird das Gefühl kennen: Die Abfahrtszeit ist längst überschritten, doch vom Zug fehlt jede Spur. Man schielt immer mürrischer auf die Uhr, bis aus den Lautsprechern die ersten Entschuldigungen über den Bahnsteig hallen und die ungute Vorahnung zur Gewissheit wird: Der Zug hat Verspätung! Mal wieder. Gründe dafür gibt es reichlich, mal ist ein defektes Signal schuld, mal eine kaputte Weiche oder ein liegen gebliebener Güterzug. Inzwischen habe ich von umgestürzten Bäumen bis zu Oberleitungsschäden alle Begründungen mindestens einmal gehört und geglaubt, dass mich nichts mehr so wirklich überraschen kann. Doch weit gefehlt, denn die Bahn hat es mal wieder geschafft!

Eigentlich war alles so wie immer. Nein, eigentlich war es sogar besser als immer! Denn als ich heute zum Bahnhof kam, stand der Zug superpünktlich und abfahrbereit am Bahnsteig. Erst auf den zweiten Blick ist mir dann aufgefallen, dass das so nicht ganz gestimmt hat. Eigentlich standen nämlich nur etwa 80% des Zuges superpünktlich und abfahrbereit am Bahnsteig. Man könnte zwar argumentieren, dass 80% Zug, die pünktlich eintreffen, besser sind als 100% Zug, die Verspätung haben. Das gilt jedoch nur, wenn in diesen 80% eine Lok enthalten ist! In diesem Fall war das leider nicht so, womit am Bahnsteig zwar eine Menge pünktlicher Waggons, aber eben keine dazugehörige Lokomotive stand. Diese hatte auf der Strecke von Frankfurt nach Darmstadt nämlich den Geist aufgegeben und musste ausgewechselt werden. Während man als Laie unter Auswechseln versteht, dass ein Gegenstand zeitnah durch einen anderen ausgetauscht wird, dann stimmt das nicht ganz mit dem Verständnis der Deutsch Bahn überein. Dort heißt auswechseln nämlich, dass man eine Lokomotive abkoppelt, aber erst mal keine neue als Ersatz heranbringt.

Doch ich will mich über die entstandene Verspätung im Grunde genommen auch gar nicht beschweren. Da in diesem Fall ja zumindest die Waggons bereitstanden, gab es im Gegensatz zu sonst reichlich Sitzgelegenheiten und eine Klimaanlage. Noch besser wäre es natürlich gewesen, wenn letztere nicht wegen mangelndem Strom funktionsuntüchtig gewesen wäre, aber über solche Kleinigkeiten sieht man ja großzügig hinweg. Selbst wenn diese Kleinigkeiten gute 30 Minuten andauern. Und man deshalb seinen Anschlussverbindung verpasst. Und deshalb erst eine Stunde später zuhause ist ...

Denn zumindest bin ich nun der Meinung, dass mich hinsichtlich der Deutschen Bahn wirklich nichts mehr überraschen kann! Höchstens vielleicht wenn es der Bahn irgendwann gelingt, nicht nur 80% des Zuges, sondern auch 80% der Züge pünktlich ankommen zu lassen. Aber das übersteigt wahrscheinlich selbst deren Fähigkeiten.

 

22.5.07 16:19, kommentieren


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