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Warum weiß-rote Schilder nicht immer zum Ziel führen ...

Das folgende Foto zeigt die Tiefgarage des Kinopolis in Viernheim.

Zugegeben, auf den ersten Blick ist darauf nichts spektakuläres zu erkennen. Auf den zweiten Blick entpuppt es sich jedoch als Analogie auf das Leben! Bei vielen unserer Entscheidungen lassen wir uns durch das Äquivalent von großen weiß-roten Schildern bei der Suche nach der richtigen Alternative leiten.

Vernunft ist beispielsweise ein solch weiß-rotes Schild. Die Vernunft hält uns oft davon ab Dinge zu tun, die riskant und vielleicht unangenehm sind, viel Überwindung kosten und am Ende wahrscheinlich sowieso nicht den erhofften Erfolg bringen.

Lebenserfahrung ist ein weiteres weiß-rotes Schild. Das bisherige Leben hat uns gelehrt, dass manche Situationen eben so sind, wie sie sind und sich durch nichts ändern lassen. Wir haben gelernt, welches Verhalten unsere Mitmenschen an den Tag legen und können fremde Menschen deshalb schon nach kurzer Zeit richtig einschätzen.

Auch Selbstzweifel sind ein weiß-rotes Schild. Misserfolge in der Vergangenheit haben unsere Schwächen offenbart und verschleiern den Blick auf die Stärken. Der ein oder andere Kampf ist im Leben bereits verloren gegangen und in uns reift die Erkenntnis heran, dass manche Dinge einfach nicht zu erreichen sind und der Versuch es doch zu schaffen nur in einem weiteren sinnlosen Kampf endet.

Manchmal sind auch Freunde weiß-rote Schilder. Kluge Ratschläge sind schnell erfragt und zeigen Wege auf, die man selbst nie gesehen hat. Aufgrund des gewissen Abstandes zu einem Problem können Freunde oftmals ohne emotionalen Ballast über unsere Sorgen nachdenken und eine sinnvolle, rationale Lösung für uns finden. Sie zeigen uns dabei die eigene Unvernunft auf und helfen im allgemeinen einfach dabei, dass "richtige" zu tun.

Leider bergen große weiß-rote Schilder eine große Gefahr. Sie versperren den Blick auf die kleinen blau-weißen Schilder, die wir aufgrund von starker Überbeleuchtung vielleicht gar nicht richtig lesen können. Doch oftmals steht gerade auf diesen Schildern der beste Weg. Und so ist das Leben ein bisschen wie die Beschilderung in der Tiefgarage des Kinopolis. Wir würden viel schneller ans Ziel kommen, wenn wir statt blindlings den weiß-roten Schildern zu folgen, manchmal einfach mal nach dem blau-weißen Schild suchen würden.

( "Zugang zum Rhein-Neckar-Zentrum" )

1 Kommentar 5.6.07 19:32, kommentieren

Schwerkraft besiegt Coolness!

Gestern war ein typischer Mittwoch. Weckerklingeln um 5:30, verspäteter Zug um 6:49, Logistik um 8:30 und Informatik um 12:00. Schlechtes Essen in der Mensa um 13:30 und Studienprojekt um 14:00 Uhr. Ein Tag ohne jedes Highlight. Nach der FH schien es nicht besser zu werden, ich bin um 16.00 Uhr an den Bahnhof gekommen und was war ausnahmsweise mal pünktlich? Der Zug um 15:58! Also warten!

Unruhiger Schlaf und frühes Aufstehen sind eine miese Kombination und weil der Bahnhof in Darmstadt nicht besser wird, wenn man völlig übermüdet ist, habe ich mein Elend mit einer Dose Redbull komplett gemacht. Nach dem Konsum war ich nicht nur müde und demotiviert sondern hatte auch noch ein menschliches Bedürfnis, für dessen legale Befriedigung man am HBF in Darmstadt 30 Cent zahlen muss. Doch wenn man den Ruf der Natur erhält, hilft halt kein Lamentieren und so habe ich die 30 Cent zähneknirschend bezahlt.

Direkt nach mir betrat ein junger Kerl das WC, der ein bisschen so ausgesehen hat, als wäre er gerade einem Peek und Cloppenburg Prospekt entsprungen. Allein sein Anzug dürfte mehr gekostet haben als mein Kleiderschrank und sein großkotziger Gesichtsausdruck hat gezeigt, dass ihm das sehr wohl bewusst war. Zwischen Ohr und Schulter klemmte ein Handy, über das er gerade ein Geschäftsgespräch abwickelte und zwar in einer Lautstärke, dass auch jeder Umstehende hören konnte, was für ein toller Hecht der Anzugträger ist. Natürlich setzte er das Gespräch auch fort, während er dann vor dem Pissoire stand und den Dingen seinen Lauf ließ.

Ein paar Augenblicke später teilte er dann folgende Erkenntnisse mit mir:

  1. Der Anschein von absoluter Überheblichkeit und Professionalität endet just an der Stelle, an der die Schwerkraft über die Reibungskräfte zwischen Ohr und Schulter siegt.
  2. Handys fallen auf öffentlichen Toiletten nicht zwingend auf den Boden, sondern können auf etwa halber Strecke auch in einem etwas unzweckmäßigen Auffangbehälter landen.
  3. Selbst versnobbte Jungmanager können wie Bierkutscher fluchen, wenn sie gerade ihr eigenes Handy im Klo versenkt haben!

Eigentlich ist meine Selbstbeherrschung ja ziemlich gut, aber bis ich meine Hände gewaschen hatte und das WC wieder verlassen konnte, litt ich unter akuten Erstickungsanfällen. Als ich dann endlich wieder in der Bahnhofshalle war, wurde ich wahrscheinlich von unzähligen Fahrgästen spontan für verrückt gehalten, weil ich erst mal herzhaft lachen musste und mich so schnell auch nicht mehr erholen konnte, aber zu dem Zeitpunkt war mir dann auch alles egal.

Man kann über das Bahnfahren sagen was man will, aber so geile Momente erlebt man im Leben nicht, wenn man ein eigenes Auto besitzt! Herzlichen Dank, liebe Bahn, dass ihr trotz allem immer wieder für ein Erlebnis gut seid! Und danke auch an das selbstlose Peek-und-Cloppenburg-Model, das sich so engagiert zum Affen gemacht hat, nur um meinen Mittwoch doch noch zu einem Highlight werden zu lassen!

1 Kommentar 21.6.07 12:27, kommentieren


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