Vom Umgang mit sozialem Gewissen ...

Die Kindheit ist eine traumhafte Zeit! Denn solange Mädchen noch doof sind und man sich keine großen Gedanken über die Umwelt macht, ist das Leben so herrlich einfach und leicht. Doch irgendwann erwacht man aus seiner schönen kleinen Welt und die Dinge beginnen kompliziert zu werden. Bei mir nahm das Übel zu Beginn der Pubertät seinen Lauf ...

Plötzlich habe ich nämlich damit begonnen, mich für das Elend anderer zu interessieren. Da es auf der Welt bekanntermaßen sehr viel Elend gibt und man als Jugendlicher natürlich nicht alles auf einmal erfassen kann, habe ich meinen Fokus auf eine gewisse Nische gelenkt:

Arme Frauen, die sich keine Kleider leisten können!

Um das Leid dieser Frauen in all seinen furchtbaren Facetten begreifen zu können, musste natürlich einiges an Anschauungsmaterial beschafft werden, vor allem in Form von Zeitschriften mit glänzenden Seiten und vielen großen Bildern. Doch irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem man das Elend auch ohne entsprechendes Material begreift und die entsprechenden Zeitschriften zu unangenehmen Ballast werden. Was zuvor noch irre spannend war, entwickelt sich plötzlich zu einem peinlichen Ärgernis, das in immer dunklere Ecken des Zimmers wandert, damit es ja nicht von irgendwelchen Besuchern entdeckt werden kann.

Wegschmeißen ist natürlich eine naheliegende Option. Doch das ist gar nicht so leicht! Denn die große Frage ist, wie entsorgt man so etwas? Klar, in der Theorie ist es kein Problem: Papierkorb auf, belastendes Material rein, Thema erledigt. Aber in der Theorie kommt es auch nicht darauf an, dass niemand in einem Mehrpersonenhaushalt und einer wachsamen Nachbarschaft mitbekommt, was man da so im Papierkorb verschwinden lässt! Und somit wird die Entsorgung plötzlich komplizierter als jeder Kastortransport. Klar, ich rechne nicht damit, dass sich eine Horde Feministinnen an der Haustreppe fest kettet, um die Endlagerung der heißen Ware zu verhindern, aber eine neugierige Nachbarin zur falschen Zeit am Mülleimer reicht ja vollkommen aus, um eine sehr peinliche Situation entstehen zu lassen.

Schließlich habe ich das Zeug in einer Nacht- und Nebelaktion entsorgt. Wahrscheinlich bin ich der einzige Mensch, der mitten in der Nacht Dinge in den Mülleimer vor dem Haus wirft und anschließend mit stapelweise alten Zeitungen verdeckt. Einen Moment war ich ja sogar versucht, den Kram in der Mühltonne eines Nachbarn zu versenken. Aber bei meinem Glück wäre ich dabei wahrscheinlich auch zum einzigen Menschen geworden, den die Polizei dabei erwischt hat, wie er in die Mülltonne seines Nachbarn einbricht, weil er zu verklemmt ist, seine nichtjugendfreien Magazine bei sich zuhause zu entsorgen.

Damit sich solche Scherereien nicht wiederholen, habe ich beschlossen meinem sozialen Gewissen zukünftig in Form dieses Blogs Ausdruck zu verleihen und an dieser Stelle auf all die furchtbaren Missstände des Alltags hinzuweisen. Zumindest solange sie nicht mit armen Frauen zusammenhängen. Und mich nicht langweilen. Und nicht zu anspruchsvoll sind. Und nicht spießig klingen. Und keine Randgruppen betreffen, über die ich selbst gerne lästere ...

Nagut, neben meinem sozialen Gewissen gibt es noch einen Grund, warum ich das hier schreibe. Man hat mich mit sauren Pfirsisch-Herzen bestochen. Die ich übrigens noch nicht bekommen habe...!

 

 

 

13.4.07 22:14

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Caro / Website (15.4.07 18:58)
Du wurdest bestochen?! Das kann ja gar nicht sein... da wüsste doch jemand was davon

Aber hey, immerhin schon mal ein Eintrag, ich bin stolz... LG

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen


Werbung