Bockenrod und die finsteren Pläne der Wirtschaftsbosse

Bockenrod ist ein Ortsteil von Reichelsheim und mit 172 Einwohnern nicht gerade groß. Wem es nach aufregendem Nachtleben auf kilometerlangen Partymeilen gelüstet, ist dort demnach an der falschen Adresse. Das heißt aber keinesfalls, dass Bockenrod nicht doch eine Reise wert ist. Ganz im Gegenteil, es gibt sogar eine Menge Gründe, warum man dort unbedingt vorbeischauen sollte! Abgesehen von schöner Landschaft und himmlischer Ruhe gibt es dort nämlich unglaublich nette Menschen, die das vielleicht beste Tiramisù nördlich der italienischen Staatsgrenze zaubern können.

Doch leider macht das Böse in der Welt auch keinen Halt vor idyllischen Dörfchen, netten Menschen und himmlischem Tiramisù. Denn Bockenrod ist unlängst ins Fadenkreuz von profitgeilen, skrupellosen Wirtschaftsbossen gerückt. Es gibt Industriezweige, die im Sommer so viel Gewinn ausschütten, wie ein Daunenjackenverkäufer in der Sahara. Die Wintersportindustrie ist zum Beispiel ein solcher Industriezweig. Oder die Spekulatiusindustrie. Doch wo man sich in diesen Branchen mit einem Umsatztief im Sommer einfach abgefunden hat, schmieden die Obersten einer anderen Branche finstere Pläne, um es mit schäbigen Tricks zu bekämpfen. Bei dieser Branche handelt es sich um den zunächst eher unverdächtig wirkenden Industriezweig der Taschentuchproduktion. Während dort im Winter dank Grippewellen und Dauerschnupfen das Geld nur so fließt, blieben die Kassen im Sommer bedingt durch gutes Wetter und unverwüstliche Gesundheit eigentlich leer. Doch die Wirtschaftsbosse haben in Zusammenarbeit mit der Pharmaindustrie ein infernalisches Werkzeug erschaffen, um diesen Missstand zu korrigieren: den Heuschnupfen! Getarnt als harmlose Pollen werden Sommer für Sommer weltweit massenhaft Reizstoffe verbreitet, um Immunsysteme ins Straucheln zu bringen und Nasen laufen zu lassen. So fließt deren Inhalt kiloweise in frisch produzierte Taschentücher, wodurch wiederum kiloweise Geld in die Taschen der Industriebosse fließt.

Was aber hat dieses schäbige Vorgehen mit einer beschaulichen Gemeinde wie Bockenrod zu tun? Nun, das ist einfach erklärt. Eine gewisse Autarkie von jegweder Zivilisation hat die Bockenroter über den Wandel der Generationen hinweg widerstandsfähig und äußerst zäh werden lassen. Damit die von der Taschentuchindustrie gestreuten Reizstoffe auf die Anwohner überhaupt einen Effekt haben, werden sie dort mit einer deutlich erhöhten Konzentration gestreut. Tatsächlich fliegen dort sogar so viele dieser Stoffe in der Luft herum, dass es fast so aussieht als würde es schneien (womit Bockenrod  - mit Ausnahme des Bundestages - der einzige Ort Deutschlands ist, an dem man von Klima unabhängig Schnee finden kann!). Doch während die Einheimischen selbst dieses Maß relativ beschwerdefrei ertragen können, muss man sich als Auswärtiger auf heftigste allergische Reaktionen einstellen.

Wer also die Gegenwart von liebenswerten Menschen, das möglicherweise beste Tiramisù außerhalb Venetiens und malerische Landschaften genießen möchte, muss daher ein erhebliches Maß an Leidtoleranz mitbringen. Und eben Taschentücher. Abhilfe kann da leider nur ein kompromiss- und schonungslos geführter Kampf gegen die Machenschaften der Taschentuchindustrie schaffen! Vielleicht lassen sich besonders nette Bockenroter bis zu dessen Ende aber auch dazu überreden, uns verweichlichte Städter ab und an auch wieder bei uns zu Hause mit ihrer Gegenwart zu beehren. Und die malerischen Landschaften findet man ja schließlich auch bei uns ...

 

19.5.07 20:56

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