Die Bahn kommt ... teilweise.

Wer öfter mal mit der Deutschen Bahn fährt, wird das Gefühl kennen: Die Abfahrtszeit ist längst überschritten, doch vom Zug fehlt jede Spur. Man schielt immer mürrischer auf die Uhr, bis aus den Lautsprechern die ersten Entschuldigungen über den Bahnsteig hallen und die ungute Vorahnung zur Gewissheit wird: Der Zug hat Verspätung! Mal wieder. Gründe dafür gibt es reichlich, mal ist ein defektes Signal schuld, mal eine kaputte Weiche oder ein liegen gebliebener Güterzug. Inzwischen habe ich von umgestürzten Bäumen bis zu Oberleitungsschäden alle Begründungen mindestens einmal gehört und geglaubt, dass mich nichts mehr so wirklich überraschen kann. Doch weit gefehlt, denn die Bahn hat es mal wieder geschafft!

Eigentlich war alles so wie immer. Nein, eigentlich war es sogar besser als immer! Denn als ich heute zum Bahnhof kam, stand der Zug superpünktlich und abfahrbereit am Bahnsteig. Erst auf den zweiten Blick ist mir dann aufgefallen, dass das so nicht ganz gestimmt hat. Eigentlich standen nämlich nur etwa 80% des Zuges superpünktlich und abfahrbereit am Bahnsteig. Man könnte zwar argumentieren, dass 80% Zug, die pünktlich eintreffen, besser sind als 100% Zug, die Verspätung haben. Das gilt jedoch nur, wenn in diesen 80% eine Lok enthalten ist! In diesem Fall war das leider nicht so, womit am Bahnsteig zwar eine Menge pünktlicher Waggons, aber eben keine dazugehörige Lokomotive stand. Diese hatte auf der Strecke von Frankfurt nach Darmstadt nämlich den Geist aufgegeben und musste ausgewechselt werden. Während man als Laie unter Auswechseln versteht, dass ein Gegenstand zeitnah durch einen anderen ausgetauscht wird, dann stimmt das nicht ganz mit dem Verständnis der Deutsch Bahn überein. Dort heißt auswechseln nämlich, dass man eine Lokomotive abkoppelt, aber erst mal keine neue als Ersatz heranbringt.

Doch ich will mich über die entstandene Verspätung im Grunde genommen auch gar nicht beschweren. Da in diesem Fall ja zumindest die Waggons bereitstanden, gab es im Gegensatz zu sonst reichlich Sitzgelegenheiten und eine Klimaanlage. Noch besser wäre es natürlich gewesen, wenn letztere nicht wegen mangelndem Strom funktionsuntüchtig gewesen wäre, aber über solche Kleinigkeiten sieht man ja großzügig hinweg. Selbst wenn diese Kleinigkeiten gute 30 Minuten andauern. Und man deshalb seinen Anschlussverbindung verpasst. Und deshalb erst eine Stunde später zuhause ist ...

Denn zumindest bin ich nun der Meinung, dass mich hinsichtlich der Deutschen Bahn wirklich nichts mehr überraschen kann! Höchstens vielleicht wenn es der Bahn irgendwann gelingt, nicht nur 80% des Zuges, sondern auch 80% der Züge pünktlich ankommen zu lassen. Aber das übersteigt wahrscheinlich selbst deren Fähigkeiten.

 

22.5.07 16:19

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