Warum ich Aelxander Graham Bell nicht ausstehen kann ...

Eigentlich bin ich ein netter Mensch. Wenn ein Tag ohne Frühstück beginnt, verdirbt mir das ein bisschen die Laune, und regelmäßiges Bahnfahren hat einen Zyniker aus mir gemacht, doch abgesehen davon bin ich die Friedfertigkeit in Person. Okay, das stimmt so natürlich nicht, aber es würde  stimmten, wenn nicht ein gewisser Alexander Graham Bell eines Tages einen schrecklichen Apparat erfunden hätte: das Telefon!

Telefone gibt es inzwischen in allen Formen, Größe und Farben, doch sie alle erfüllen nur einen einzigen, grässlichen Zweck. Sie ermöglichen es Menschen, um die wir auf der Straße einen riesigen Bogen gemacht hätten, sich verbal in unsere Wonzimmer zu schleichen. Was mit einem unschuldigen Klingeln beginnt, endet nur zu oft im kommunikativen Super-GAU. Wider besseres Wissen habe ich dem unerbittlichen Läuten nachgegeben und immer und immer wieder Telefonate entgegen genommen. Die Gefahr habe ich nicht erkannt, doch mit einem Tag war sie plötzlich da: diese zügellose, unendliche Wut, die mich zu verzehren droht und mir jedwede Friedfertigkeit gründlich ausgetrieben hat!

Dabei war ich wirklich tapfer. Mit Engelsgeduld habe ich mir von täuschend echten Tonbandansagen erzählen lassen, dass ich den großen Gewinn gezogen hätte. Ich habe mir Einladungen zu dubiosen Fernsehsendungen angehört und mich über bombensichere Lotteriesysteme mit garantierter Gewinnchance informieren lassen. Und ich bin nicht einmal laut geworden! Meine Ex hat mir eindrucksvoll demonstriert, dass man das unscheinbare, kleine Gerät leicht zu einer Waffe umfunktionieren kann und ich habe die ersten Symptome gefühlt. Bluthochdruck bei Telefonklingeln, Fingerknöchel, die weiß hervortreten, sobald ich nach dem Telefon greife und eine etwas aggressive Betonung meines Nachnamens, sobald ich mich melde. Doch das alles war nicht weiter tragisch. Egal ob ich Dinge über ihren neuen Macker erfahren durfte, die ich niemals wissen wollte, oder für die erbärmliche Wirtschaftslage der dritten Welt verantwortlich gemacht wurde, sobald ich den Hörer wieder aufgelegt hatte, war ich wieder ruhig und ausgeglichen.

Doch gegen sie hatte mein friedliches Gemüt nicht den Hauch einer Chance. Plötzlich und ohne Vorwarnung drangen sie mit einem vermeintlich harmlosen Telefonat in mein Leben und zerstörten erst meinen Glauben an den gesunden Menschenverstand, dann meinen Geduldsfaden, dann meine gute Erziehung und schließlich auch meine Selbstbeherrschung. Mit den Worten "Einen schönen guten Tag, ich rufe im Auftrag der Deutschen Telekom an ..." begann der Anfang vom Ende. Derzeit stellt die Telekom ihre Tarife um und lässt die frohe Botschaft über Callcenter unter ihren Kunden verbreiten. Und da bei der Telekom Kundenfreundlichkeit groß geschrieben wird, bieten die freundlichen Callcenter Mitarbeiter den benachrichtigten Kunden auch gleich an, ihren aktuellen Tarif auf einen billigeren umzustellen. Ich weiß, bei so viel Kundennähe und Service hätte ich eigentlich vor Glück weinen müssen, doch da ich grundsätzlich keine Geschäfte über das Telefon abwickle, habe ich der netten Telefonistin erklärt, dass ich kein Interesse an einer Umstellung habe. Damit war für mich das Thema erledigt. Für das Callcenter leider nicht ...

Wenige Tage später kam dann der nächste Anruf und dieselbe Telefonistin war wieder am Apparat. Ich gebe zu, meine Aussage "Nein, ich will keinen neuen Vertrag", war vielleicht ein bisschen missverständlich. "Nein, ich will heute keinen neuen Vertrag, ich will keinen neuen Vertrag morgen und ich will auch nie einen neuen Vertrag übers Telefon abschließen!", wäre vielleicht treffender gewesen. Aber ich war guter Dinge, dass ich mich beim zweiten Gespräch klarer ausgedrückt hatte. Besagte Dame scheinbar nicht, weshalb sie sich wenige Tage später wieder bei mir meldete. Klar, das Denkvermögen von uns Männern ist beschränkt. Fußball, Sex und Essen sind in unserem Kopf omnipräsent, weshalb zumindest eine theoretische Chance bestand, dass ich mich an die ersten zwei Telefonate nicht mehr erinnern konnte und meinen Vorsatz, diesen Vertrag nicht abzuschließen, schlicht wieder vergessen hatte. Doch scheinbar hatte ich einen meiner seltenen hellen Momente und erklärte der freundlichen Dame standhaft und nun zum dritten Mal, dass ich den Vertrag nicht will! Und weil mein Verstand gerade auf Hochtouren lief, setzte ich noch einen drauf und steckte ihr, dass unser Telefonanschluss nicht auf mich zugelassen ist und ich deshalb rechtlich gar nicht dazu in der Lage bin, einen anderen Tarif abzuschließen. Thema erledigt.

Zumindest fast. Denn da unser Haushalt mehrere Telefonnummern hat, kann es ja nicht schaden, mal bei den anderen Nummern durch zu klingeln und dort ein entsprechendes Tarifangebot zu unterbreiten. Zumindest muss das der Gedankengang der entsprechenden Dame gewesen sein. Beim nächsten Anruf war meine Mutter das bedauernswerte Opfer, doch die erzählte der netten Telefonistin eiskalt, dass wir den Tarif im örtlichen T-Punkt umstellen lassen und uns herzlich für die Information bedanken. Das hatte gesessen. Zwei Tage lang war auch tatsächlich Ruhe, dann klingelte das Telefon allerdings wieder. Und - Überraschung - am anderen Ende der Leitung war wieder dieselbe Telefonistin. Diesmal erklärte sie uns freudig, dass die Tarifumstellung vorbereitet sei und wir nur noch unsere Kontonummer angeben müssten, um den Vertragsabschluss perfekt zu machen. Meine Ruhe und Gelassenheit waren zu diesem Zeitpunkt lange fort und auch meine Friedfertigkeit blätterte schon in den Last Minute Angeboten des örtlichen Reisebüros. Deshalb habe ich meiner geliebten Telekom-Trulla dann mit Nachdruck erzählt, dass wir bei ihr keinen Vertrag abgeschlossen haben und von ihr nie, nie, nie wieder angerufen werden wollen. 

Erstaunlicherweise hat sie das akzeptiert. Damit war der Fall eigentlich abgeschlossen. Eigentlich. Denn es bestand ja zumindest die Möglichkeit, dass in unserem Haushalt nur absolute Frauenhasser wohnen und wir den Vertrag nur nicht abgeschlossen hatten, weil der Vorschlag von einer Telefonistin kam. Als das nächste Mal das Telefon klingelt, erklärte mir dann ein freundlicher Telefonist, dass die Telekom derzeit ihre Tarife umstellt und ich exklusiv bei ihm einen neuen, billigeren Tarif abschließen kann! Das brachte das Fass dann zum Überlaufen und weil meine Friedfertigkeit nicht nur abgereist, sondern auch mit meiner Selbstbeherrschung durchgebrannt war, habe ich schnell aufgelegt, ehe ich gegenüber dem Telekom-Typen richtig ausfallend werden konnte. Was ihn dann nicht daran gehindert hat, auf unserer zweiten Nummer anzurufen...

Mittlerweile war ich gemeinsam mit meiner Mutter im T-Punkt, um den Vertrag umstellen zu lassen. Das geschah auch absolut problemlos und seit zwei Wochen haben wir nun einen neuen Tarif. Eigentlich die Geschichte damit zu Ende. Es gibt nur einen klitzekleinen Haken. Seither sind wir dreimal von einem gewissen Callcenter angerufen worden. Es könne ja sein, dass wir noch nichts davon wissen, aber die Telekom stelle gerade ihre Verträge um, weshalb für uns exklusiv billigere Verträge verfügbar seien...

Nun sitze ich hier mit dieser unzähmbaren Mordlust und überlege mir, wie viele Callcenter-Mitarbeiter ich erschießen muss, damit ich lebenslänglich im Gefängnis lande und dank anschließender Sicherheitsverwahrung nie mehr auch nur in die Nähe eines Telefons komme. Aber ich schätze, es gibt nur einen Weg das herauszufinden. Sollte jemals jemand von Euch Urlaub auf den Seychellen machen, irgendwo dort müssten meine Friedfertigkeit und meine Selbstbeherrschung am Strand in der Sonne liegen. Grüßt die beiden doch bitte von mir, die gemeinsame Zeit war echt schön.  

 

 

7.8.07 16:47

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